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Konzert-
und Besuchsreise
der
Mandolinengruppe
Schwalmstadt
nach
Kasan
vom
26. Juli bis 08. August 2005
Organisator:
Horst Rininsland
Musikalische Leitung:
Brigitte Michelbach
Dienstag, den 26.Juli 2005
Reisestart
Der
große Tag ist gekommen! Heute starten wir zu unserer Konzert- und Besuchsreise
nach Kasan. Treffpunkt ist das Busunternehmen Knieling in Wasenberg um 16 Uhr.
Viele Reisende sind schon eher da und begrüßen die Neuankömmlinge mit Hallo.
Als alles Gepäck im Bus verstaut ist, fragt Horst vorsichtshalber mal nach Pässen
und Flugscheinen, denn es soll ja Leute geben, die ihre Flugscheine in
Papierkontainern stationieren. Um 16.10 Uhr starten wir in Richtung
Stauffenberg, um Otto, Elfriede und Claudia einzuladen. Doch keine Spur von
ihnen an der Abfahrt Stauffenberg Nord. Schließlich fahren wir weiter in
Richtung Stadt. Da, unter der Brücke, steht Otto und weist auf den Parkplatz,
wo Einladen und Einsteigen komfortabel zu bewältigen sind. Um 17 Uhr geht es
weiter zum Rhein-Main-Flughafen. Alles verläuft reibungslos, so dass wir uns für
die Formalitäten Zeit nehmen können.
Das ist auch angenehm, denn viele
haben mit ihrem Gepäck eine echte Last. Zum Glück gibt es streckenweise Gepäckwagen.
Nach dem Einchecken bleiben noch fast drei Stunden. Wir verkürzen die Zeit im
Take-Off, einem modernen Selbstbedienungslokal, bei einem Getränk oder Imbiss.
Natürlich dürfen die Gepäckwagen zu unserem Leidwesen nicht mit hinein, so
dass wieder einmal die Muskeln spielen dürfen. Zeitig brechen wir auf, bewegen
uns wieder nach oben und nehmen noch einmal Platz, bis es endlich heißt: Das Flugzeug
erwartet uns.
Der
Shuttle-Bus bringt uns an Ort und Stelle, freundlich begrüßt uns die Crew
unserer Lufthansamaschine. Die Plätze der Gruppe liegen alle beieinander. Ein
echtes Puzzle ist es, Handgepäck und Instrumente unterzubringen.
Pünktlich
um 22.30 Uhr heben wir ab. Der Flug ist angenehm. Schon bald wird uns ein
leckeres Abendessen
gereicht, wahlweise Lachs oder Rindfleisch. Danach lässt
sich gut ein Nickerchen machen.
Mittwoch, den 27. Juli 2005
Ankunft
in Kasan
Es ist schon hell, als wir in Samara
landen. Ganz schön lang wird manchem diese letzte Etappe mit Auftanken, neuem
Start und dreißigminütigem Weiterflug, begleitet von gewaltigem Ohrensausen,
bis wir endlich wohlbehalten am Bestimmungsort landen. Gut für denjenigen, der
etwas Schlaf getankt hat, denn jetzt kommt die erste große Kraftprobe. Heiße,
schwüle Luft schlägt uns entgegen. Meilenweit erscheinen die Wege, die wir uns
im alten Flughafengebäude mit Sack und Pack entlang winden. Die Beamten der
Pass- und Gepäckkontrolle kennen keine Gnade. Minutiös widmen sie sich jedem
Detail. Die Zeit dehnt sich wie Kaugummi. Wenn Horst wegen der Zedernbabys mit
Heimaterde einen Rest von Nervosität in sich gehabt hätte – denn alle
Formalitäten waren mit der Staatskanzlei in Wiesbaden erledigt worden - das wäre
vergeblich gewesen; es wird ihnen keine weitere Beachtung geschenkt. Endlich
sind diese harten Strapazen durchstanden. Ächzend, schwitzend und stöhnend
schaffen wir auch noch den endlos erscheinenden Weg zum Bus, denn alles muss per
Hand bewältigt werden. Auf dem Parkplatz begrüßen uns unsere Gastgeber
herzlich. Mittlerweile ist es nach zwei Stunden Zeitumstellung 6 Uhr. Es wird
bald deutlich, dass ein Bus nicht reicht. Als ein zweiter Bus für unser Gepäck
angekommen und beladen worden ist, starten wir Richtung
Kasan. Ich erinnere mich
noch, die niedlichen bunten Tatarenhäuschen gesehen zu haben, dann bin ich
erschöpft eingeschlafen und wache erst wieder auf, als wir am Sanatorium Livadiya
(Zimmer,
Toilette,
Dusche)
angekommen sind. Jetzt steigt der letzte Härtetest des Tages! Endlos
lang zieht sich der Weg beim Gepäcktransport vom Tor des Sanatoriums bis zu
unserem Wohntrakt. Mancher pfeift hörbar auf dem letztem Loch. Doch angekommen,
gibt es schon neue Probleme: Bei der Zimmerverteilung geht es
nicht auf. Benedikt mit Konstanze, Maria und Marga sind von vorne herein für
ein Domizil in der Stadt
vorgesehen. Doch da Mitsue und Norbert am Ende übrig bleiben und nicht in ein
Zimmer passen, gibt es für Mitsue nur die Möglichkeit, so müde wie sie ist,
in die Stadt zu fahren. Marga nimmt sie bei sich auf. Nachdem alle ihre Zimmer
im Sanatorium bezogen haben, lechzen sie nur noch nach etwas Trinkbarem, bevor
sie müde und matt aufs Bett sinken; außer zweien, Horst und Brigitte. Sie
sprechen noch an der Rezeption einige Unzulänglichkeiten in Norberts Zimmer an.
Als die anderen zum Mittagessen gehen, fallen auch sie endlich ins Bett und
verschlafen die Mahlzeit.
Etwas erholt, treffen wir uns zum
Mittagessen im Restaurant, nicht im riesigen Speisesaal, sondern im eleganten
Separee an gemütlichen runden Tischen mit aufwändiger Drehplatte,
Kerzenleuchter, Früchtepokal und geschliffenen Kristallgläsern für Wein, Sekt
und Wodka, die in der nächsten Zeit allerdings nie zum vollen Einsatz kommen.
Tomate mit Schinken
eröffnet das Mahl, eine Lauch- Kartoffelsuppe erfreut den Magen. Als Hauptgang
überraschen Rindfleisch mit Milchreis, allerdings nicht süß. Wer möchte,
kann mit Tee- und Mandelgebäck abschließen. Alle sind wohl gesättigt und
mancher legt sich noch mal aufs Ohr.
Es soll
Reiseteilnehmer geben, die den „Empfang mit Freunden“ ungeweckt völlig
verschlafen, also davon auch nichts Authentisches berichten können. Es soll
sehr schön und herzlich gewesen sein……
Zum Abendbrot treffen
sich diesmal alle zu Rohkostsalatteller, Makrele mit Griesbrei und Hefestückchen
zum Tee. Soweit gestärkt, meint Brigitte, könnten wir gut ein Stündchen
proben. Doch es kostet einige Überwindung, sich mit Instrument und allen
Utensilien in den dritten Stock zu bewegen und spielbereit zu sein. Nach dieser
Pflichtübung ergeht sich mancher noch im Kurpark,- in Mückenbegleitung.
Donnerstag, den 28. Juli 2005
Tag
mit der Familie Malikow
Heute organisiert Familie Malikow
den Tag. Um 8 Uhr steigen wir ohne Frühstück und mit Instrumenten in einen
kleinen, schlecht gefedertem Bus. Zunächst müssen wir Geld umtauschen, doch
das geht nur mit einigen Hindernissen. Unser nächstes Vorhaben ist die Scheckübergabe.
Doch wir kommen nicht so recht vorwärts. Der Bus gibt absonderliche Geräusche
von sich, bleibt stehen, lässt sich noch einmal überreden, aber nur für
wenige Meter. War es das für heute? Ein kurzer Ausflug, denken viele. Doch hier
im Osten sind die Busfahrer auch Mechaniker. Unserer klopft und bastelt an der
Technik herum und – kaum zu glauben, der Bus lässt uns den ganzen Tag nicht
im Stich. „Aber der Wagen, er rollt …“
stimmt Konstanze an und das ist der Start für unser Nonstop - Singprogramm während
der Busreisen.
Anlaufstelle zur Scheckübergabe ist
nicht ein Heim, denn die Kranken und Behinderten, die in den Genuss der Spende
kommen sollen, leben in ihren Familien. So sind am Treffpunkt mit der
Direktorin auch noch drei behinderte Jugendliche. Sie sitzen mit uns am Frühstückstisch
und erleben so die feierliche Scheckübergabe
vor den Ivan Rebroff – Plakaten (Vor dem Gebäude 1
2
).
Die Direktorin nimmt den Scheck über 1300 Euro dankbar entgegen. Danach lassen
sich alle das Frühstück mit leckeren Hefetaschen (Kräuter- sowie Fleisch-
Zwiebelfüllung) und Tee mit Trockenobst munden. Ein Erinnerungsfoto zum
Abschluss hält das Ereignis für alle sichtbar fest. Im nachhinein allerdings
werden Fragen aufgeworfen, ob das mit dem Scheck so der richtige Weg gewesen
ist.
Doch erst einmal
geht die Fahrt
ins Blaue
weiter. Am „Stadttor von Saba“ werden wir gestoppt.
Eine offizielle Delegation aus Bürgermeister, Ministerpräsident,
Regierungsvertretern und Redakteur des Stadtanzeigers begrüßt uns mit Bajanklängen
und zwei hübschen Tatarinnen in Landestracht. Sie reichen Brot und Salz sowie
Tschaktschak. Nach herzlichen Begrüßungsworten wird unter dem „Stadttor“
ein Erinnerungsfoto geschossen.
Dann fahren wir „unter Polizeischutz“ zum Stadtzentrum von Saba und werfen
einen Blick in die Fußgängerzone mit Bank, Hospital und Heldendenkmal. Auch
erhalten wir einige Informationen über die Stadt, die 1930 gegründet wurde und
heute durch die reiche Erdgasnutzung sehr stark prosperiert. Danach überrascht
uns im Kulturhaus gegenüber das Feuerwerk eines Folkloreprogramms mit einer tatarischen
Sängerin, grün gewandet, einer
Kindertanzgruppe in Orangerot und einem Akkordeonspieler. Wir sind begeistert
von den perfekten, spritzigen Vorträgen
Doch unser Stadtrundgang führt uns
noch weiter zur grünen Moschee, die 1897 gegründet worden und während der
Sowjetzeit Kulturhaus gewesen ist. Wir ziehen die Schuhe aus, die Frauen legen Tücher
um den Kopf, bevor wir das Männerbethaus betreten und die Atmosphäre des
schlichten Raumes mit Teppichfußboden auf uns wirken lassen. Im Unterrichtsraum
grüßt uns von der Tafel „Gott mit uns“. Zuletzt werde wir in die riesige
Sporthalle geführt, die vielen Sportarten ideale Trainingsbedingungen bietet
und darüber hinaus mit moderner künstlerischer Gestaltung überrascht. Längst
ist es Mittagszeit und es tut gut, sich jetzt an der reich gedeckten Tafel des
vorbereiteten Gastraumes niederzulassen und zu stärken.
Danach fahren wir
weiter zum Internat für behinderte Kinder. Sie kommen aus der ganzen Republik
(5% ist der Anteil an der Bevölkerung) und sind ähnlich wie in Hephata nicht
normal beschulbar. Auf 10 Hektar dehnt sich das Anwesen aus. Große zauberhafte
Blumenbeete
(statt Rasen) umgeben die Wohnhäuser. Auch ein Zoo mit Affe, Elch,
Ponys usw ist vorhanden. Wir werden durch die Wohn-, Sprach- und Therapieräume
geführt und staunen über die Qualität der Ausstattung, aber auch über die
lang gestreckten 10- und 12-Bettzimmer in sehr geschmackvollem Design – aber
ohne persönliche Utensilien. Nach der Führung werden Geschenke ausgetauscht.
Wir alle bekommen ein Löffelsortiment und ein Buch des Heimatdichters, wer
will, mit Autogramm.
Im Internat ist man auf unser
Konzert vorbereitet. Alles sitzt auf Bänken
unter Bäumen und wartet auf die Dinge, die da kommen sollen. Brigitte und Horst
sind von diesen Überraschungen nicht sehr begeistert, denn die Ausstattung mit
Lautsprechern und Mikrophonen ist dürftig. Ein Glück, dass von der kleinen Bühne
keiner abgestürzt ist! Frisch von der Leber weg, aber nicht ganz so akkurat wie
gewohnt, musizieren
wir vor dem aufmerksamen Publikum – denn auch die Mücken
spielen mit. Zwischendurch bietet Familie Malikow ihre Vorträge dar.
Nach Interviews und Fotos starten wir zum gleichen Lokal wie am Mittag. Auch
unsere prominenten Begleiter während des Tagesprogramms stellen sich ein.
Wieder werden wir köstlich bewirtet mit Lachs und kleinen Kohlröllchen,
diesmal, im Gegensatz zum Mittagessen, mit Alkohol! Ein Trinkspruch jagt den
anderen. Der Wodka kreist, es geht ganz schön lustig zu. Zu unserer
Unterhaltung bieten uns abwechselnd drei Sängerinnen und der Akkordeonspieler
vom Morgen ein munteres Programm mit tatarischen Weisen. Nach dem Essen wird
dann sehr lebhaft dasi Sängerinnen und der Akkordeonspieler vom Morgen ein
munteres Programm mit tatarischen Weisen. Nach dem Essen wird dann sehr lebhaft
das Tanzbein zur Folklore
geschwungen. Auch wir bieten zum
Abschluss ein Liedlein dar, ein Abendlied als kleines Dankeschön. Bei strömendem
Regen fahren wir zurück ins Livadiya und hasten die langen Wege in unsere
Unterkunft. Ein an Ereignissen und tiefen Eindrücken reicher Tag geht zu Ende.
Freitag, den 29.Juli 2005
Exkursion
in Kasan, Konzert im Livadiya
Um 8 Uhr finden
wir uns zum Frühstück ein. Heute wird das Rindfleisch mit Nudeln serviert.
Frisch aufgetankt treffen wir uns am Tor zur Stadtrundfahrt. Doch zuerst fahren
wir drei Apotheken an, da Hanna knapp an Insulin ist. In der letzten endlich hat
sie Glück und alle sind erleichtert. Nun geht es zum Kreml. Dort treffen wir
unsere Fremdenführerin, die uns in liebenswürdigem Deutsch alles erklärt. Die
moderne Moschee, erkennbar an den blauen
Kuppeln, beeindruckt alle sehr mit
ihren Marmorintarsien.
Von der Frauenempore schauen wir hinunter zum Gebetsraum in seiner ganzen
Pracht. Als Motiv begegnet uns oft die Tulpe, Sinnbild für die Wiedergeburt.
Suren in schönstem Arabisch zieren die Räume. Wir hören, dass hier das
Zentrum des Islam von ganz Tatarstan ist. Es wird versucht, eigene tatarische
Ideen des Islam zu entwickeln, dafür stehen die Tulpe und die blaue Farbe. Die
Moschee hat ihren Namen nach dem letzten Imam „Kul Sharif-Moschee“.
Wir bestaunen auch das prächtige Frauenbad und lassen die weiten Räume des zukünftigen
Museums auf uns wirken.
Wie in der
Moschee, müssen wir Frauen auch in der orthodoxen Maria-Verkündigungs-Kirche
Kopftücher tragen. Wir unterscheiden die alte Kapelle aus dem 16. Jahrhundert
von den zahlreichen späteren Ergänzungen und sind beeindruckt von der
glanzvollen Ikonosthase und den prächtigen Fresken. Auch von außen geht eine
große Wirkung von dem Kirchenbau mit seinen vielen Kuppeln aus.
Innerhalb der
Kremlmauern begegnen uns zahlreiche Brautpaare, geschmückte Brautautos und ein
Hochzeitszug. Die Fremdenführerin geleitet uns zum Kiosk mit Ansichtskarten und
Souvenirs.
Auf dem Rückweg
zum Bus können wir nicht ungehindert weitergehen. Der Präsident und eine
ungarische Delegation verlassen unter Polizeischutz das Konferenzgebäude. Wir
versuchen, ihn aus der Entfernung aufs Foto zu bannen. Noch einen Blick werfen
wir auf das Panorama mit der Kasanka und dem Sujumbikie-Turm mit seiner Neigung
von 1,90 m, welcher ein Wahrzeichen Kasans ist .
Danach treten wir
die Rückfahrt an, es ist schon 14 Uhr und das Mittagessen wartet im Livadiya.
Die „Städter“ sind noch später zu Hause. Zum Mittagessen schmecken uns
Rote Bete-Salat, gefüllte Zucchini und Muffins zum Tee.
Nach einer kurzen
Mittagspause treffen wir uns um 16 Uhr zur Probe auf der Bühne im Sanatorium.
Auch die drückende Luft ist beteiligt, dass die Probe sich sehr anstrengend
gestaltet und manches nicht zur Zufriedenheit gelingt. Das Problem: Wenn die
Ventilatoren laufen, ist die Akustik beeinträchtigt. Alle hoffen, dass in der
Konzertatmosphäre abends alles besser läuft. Schon umgezogen, gehen wir zum
Abendbrot. Wir werden wieder verwöhnt: Fisch mit süßsaurem Salat, Reis mit
Rindfleisch und Dampfnudeln zum Tee.
Gestärkt sind
wir um 19.15 Uhr im Konzertsaal. In drei Programmpunkten spielen wir mit
deutlicher Steigerung vor einem begeisterten Publikum. Josefina, Juri, Familie
Malikow und ein junger Akkordeonspieler ergänzen das Programm. Dankbarer
Schlussapplaus! Hinterher sind die meisten so erschossen, dass sie nur noch in
die Horizontale streben und ein gemütliches Zusammensein nicht mehr zustande
kommt.
Samstag, den 30. Juli 2005
Wolgafahrt zum Kloster Swijashsk
Heute ist
Ausflugstag! Nach dem Frühstück um 7.45 Uhr mit Tomaten als Vorspeise und
Rindfleisch zu Graupen starten wir, nach dem die Bezahlung im Sanatorium unter
Marias Übersetzung endlich geklappt hat, mit dem Bus zur Wolga. Leider sind wir
durch diese Aktion verspätet und unser bestelltes Schiff ist schon voll. Doch
Jusefina organisiert ein anderes mit einem Fahrgastraum, fast alleine für die
Gruppe. Unsere Gastgeber steigen auch zu, bepackt mit Picknickkörben und
Taschen.
Um 9.30 Uhr
startet die Wolgaschifffahrt. Erst genießen alle Wasser, Wellen und die
vorbeiziehende traumhafte Landschaft. Dann kreisen bald Sandwichs, dazu Gurke,
Tomate und Banane, auch nach Wunsch Wodka und andere Getränke. Dimitri unterhält
uns ausdauernd mit seinem Gesang. Schon bald legen wir an einer Insel an. Ziel
dort ist das Kloster
Swijashsk, ein Männerkloster, im Jahre 1553 erbaut. Einige
Mitspieler der Gruppe sind schon einmal hier gewesen und bemerken die Veränderung.
Die Klosterkirche betreten wir Frauen wieder mit Kopftuch. Die Kirche ist fertig
restauriert, reiche Freskenmalerei und die glänzend ausgestattete Ikonosthase
beeindrucken. Leider können wir die russischen Erläuterungen der Fremdenführerin
nicht verstehen. Manch einer opfert Kerzen. Alle Außenwände des Klosters
einschließlich der Klostermauern sind weiß getüncht gewesen. Nach und nach
legt man das rote Backsteingemäuer wieder frei. Das ganze Gelände erhält
durch die liebevoll angelegten Rabatten und großzügigen Sommerblumenbeete
einen freundlichen Eindruck. Schwarz gewandete Mönche huschen im Hintergrund über
die Wege.
Auf dem Rückweg grüßen uns zwei Ziegen
mit vielen Kletten im Bart und ehe wir
uns versehen, hat eine von ihnen ein Baguette samt Plastikfolie angeknabbert.
Die Dorfkirche, auch in Backsteinbauweise, bietet mit ihren vielen Türmen und
Kuppeln ein attraktives Fotoobjekt. Ihre Restaurierung steht noch am Anfang. Die
Fresken sind fast zerstört. Erst drei Ikonen schmücken die Ikonosthase.
Das Schiff wartet
auf uns. Abenteuerlich ist der Weg auf Deck über Steine, Brennnesseln und
Eisengestänge.
Auf der Rückfahrtwird das Picknick fortgesetzt. Gut ist die
Stimmung, unter Gesang nähern wir uns dem Ankerplatz. Alle haben den
Bootsausflug sehr genossen. Auf der Rückfahrt mit dem Bus (es wird ganz schön
warm, die Heizung ist nicht abzustellen) steuern wir einen Souvenirladen mit
besonderen Andenken an. Hier findet jeder etwas Geschmackvolles. Nach Wasserkauf
und Bummeln im großen Einkaufszentrum geht es zu Fuß „heimwärts“.
Nach kurzer
Ruhepause gibt es schon wieder Abendbrot, diesmal mit Zucchinisalat, Rindfleisch
zu Reis und einem Hefestück zu Tee. Bei vielen ist dann Ausruhen angesagt.
Darauf lockt noch ein Abendspaziergang im Park, vielleicht mit Disco.
Sonntag, den 31. Juli 2005
Baumpflanzung im Fuchsgarten
Heute ist einer
der Höhepunkte unserer Reise: Die Baumpflanzung im Fuchsgarten. Doch erst wird
kräftig gefrühstückt mit Ei und Rindfleisch zu Kartoffeln. Einige der Gruppe
haben sich Butter und Marmelade mitbringen lassen und essen das Brot an Stelle
der warmen Mahlzeit. Die Morgenstunden sind zur freien Verfügung – außer für
Horst und Brigitte. Die haben ein umfangreiches Morgenprogramm. Im Fuchsgarten
treffen sie sich mit Victor Dietz, Gusel und Sascha zwecks Vorbesprechung der
Pflanzaktion. Danach kaufen sie in zwei Geschäften für das Waisenhaus DOM ein.
Doch aus Zeitmangel kann diese Aktion nicht abgeschlossen werde, sogar das
Mittagessen muss ausfallen. Alle anderen bereiten sich schon für das Ereignis
im Fuchsgarten vor. Um 11.30 Uhr versammeln sie sich zum Mittagessen. Sehr
lecker schmeckt die Fleischbrühe, zum gekochten Rindfleisch gibt es Kartoffeln.
Krönender Abschluss sind die Muffins zum Tee. Die meisten haben schon alles Gepäck
dabei. Herbert trägt wie immer das Cello für Konstanze. Auch Benedikts Bass
wird stets von „Livadiyanern“ mittransportiert. Am Tor wartet der Bus auf
uns und am Deutschen Haus in Kasan werden wir abgesetzt. Dort stellen wir unsere
garten ab und laufen zum Fuchsgarten.
Es ist ganz schön schwül. Unterwegs kommen wir immer wieder an Baukolonnen
vorbei, die Straßen ausbessern, Bordsteine setzen, Häuser restaurieren usw.
– alles für die 1000-Jahr-Feier! Wir sind früh genug und inspizieren erst
einmal den Pflanzplatz. Herr Dietz, Leiter des Deutschen Hauses, hat noch eine
vorbereitende Aufgabe für alle, auch wir Gäste dürfen uns beteiligen: Damit
alles hübsch ordentlich ist, wenn das Fernsehen kommt, sammeln erst einmal alle
Müll, gefegt wird auch. So langsam treffen Zuschauer ein, unter anderem unsere
Gastgeber, Freunde, die Prominenz und die Vertreter der Medien. Um 13 Uhr
beginnt die Aktion. Horst gräbt das erste Pflanzloch
locker in geübter Weise,
das zweite Brigitte. Es wird darauf geachtet, dass jede kleine Zeder auch
Muttererde aus Deutschland bekommt. Horst und Gussel pflanzen
gemeinsam ein. Gießwasser
liefert die nahe Kasanka. Auch für Sonnenschutz wird mit belaubten Ästen
gesorgt. Darauf hin wird die Gedenktafel
angebracht. Natürlich gehören zu
solch feierlicher Aktion auch Reden. So verdeutlicht zum Beispiel Horst, dass
das Wachsen der jungen Zedern die Freundschaft zwischen der Mandolinengruppe
Schwalmstadt und Kasan symbolisiert. Allgemeiner Applaus! Dann lässt Horst vor
den versammelten Zuschauern zum Abschluss die Einladung zum abendlichen Konzert
am Montag folgen. Dimitri spielt noch ein kleines Flötensolo.
Wir wandern zurück zum Deutschen Haus und Brigitte sucht dort verzweifelt einen
Probenraum, denn Herr Dietz hat vergessen, dass alle Räume belegt sind. So
machen wir zur Überbrückung einen kurzen Abstecher in die Baumannstraße,
Einkaufs- und Flaniermeile in Kasan, auf die alle Kasanneulinge schon sehr
neugierig sind. Am Sonntagnachmittag sind schon viele Familien hier. Wir werfen
flüchtige Blicke in die Schaufenster, schießen Gruppenfotos mit der
Bronzekutsche von Katharina II und lassen die Atmosphäre auf uns wirken. Zehn
Minuten dauert der Rückweg zum Deutschen Haus. Jetzt können wir im ausgeschlachteten Kirchenschiff, das
zur Sowjetzeit Turnhalle war, üben.
Fensterscheiben fehlen, so dass von der Straße gewaltiger Bau- und Arbeitslärm
herein dringt. Doch wir geben alle Kraft, um uns beim Proben
zu konzentrieren.
Danach nehmen wir
am evangelisch-lutherischen Gottesdienst im Gemeindehaus teil. Die Lieder werden
auf Deutsch gesungen, Gesangbücher in unserer Muttersprache liegen bereit. Die
Predigten übersetzt eine kleine Dolmetscherin, sie wird uns in den nächsten
Tagen noch öfter begegnen. Den Gottesdienst runden zwei junge Geigerinnen mit
schwungvollen Duetten ab. Unser erster Vorsitzender überreicht die innerhalb
der Mandolinengruppe spontan gesammelte Spende von 200 € für den Aufbau des
Gotteshauses. Er übergibt auch Geschenk und Brief vom Schwalmstädter Bürgermeister
Wilhelm Kröll und bestellt die Grüße vom Landesbischof Heyn an die
evangelische Kirchengemeinde von Kasan.
Nun haben wir
etwas Zeit, unser Konzert zu organisieren. Denn langsam füllt sich der Saal.
Wir spielen mit Begeisterung und steigern uns gegenüber den ersten Auftritten.
Es wird ein schöner Erfolg und wir erhalten viel Lob – aber kein Abendessen,
da es schon zu spät ist. So kaufen fünf Leute von uns auf der Rückfahrt ein.
Wir anderen besorgen unter großen Sprachschwierigkeiten im Livadiya einen Tisch
und tafeln auf dem Flur. Es geht sehr lustig zu, bis wir gegen 23 Uhr zur Ruhe
gemahnt werden. Das ist das Startzeichen für den allgemeinen Aufbruch.
Montag, den 01. August 2005
Besuch im Waisenhaus DOM und Konzert im
Fuchsgarten
Zum Frühstück
stärken wir uns mit einer Tomaten- Gurkenvorspeise, zum Rindfleisch gibt es
Nudeln. Erstmalig wird „Milchmädchen“ serviert. Wir testen es in Tee oder
Kaffee. Vielen behagt es.
Um 9.15 Uhr
treffen wir uns am Tor, wo der kleine Bus wartet. Wir holen die vier „Städter“
ab und fahren zum großen Kaufhaus, wo Horst und Brigitte für das noch
verbliebene Geld von 740 € einkaufen. Danach geht’s über die Autobahn zum
Waisenhaus DOM. Wir werden sehr freundlich empfangen, das TNW Staatsfernsehen
macht Aufzeichnungen, Kinder umringen uns und geleiten uns ins Haus. Wir übergeben
die Sachspenden. Der Direktor heißt uns willkommen und gibt uns Informationen
über das Heim: Der Komplex wurde vor 30 Jahren erbaut. Er beherbergt zur Zeit
220 Kinder, davon sind 170 Waisen zwischen vier und 18 Jahren, 50 über 18
Jahre. Diesen stehen 215 betreuende Personen und Fachärzte gegenüber.
Bei unserem
Rundgang können wir uns überzeugen, dass alles gepflegt und geschmackvoll
eingerichtet ist. In einem Unterrichtsraum sehen wir eine Aufführung. Acht
Vorschulkinder, sieben davon taubstumm, bieten uns ein Spiel mit Tiermasken und
Tänzchen dar. Es ist rührend, wie sie im Spiel aufgehen. Wir werden durch die
Therapie-, Wohn-, Schlaf- und Spielräume geführt. Wir sehen Kinder mit
schweren Lähmungen und Mehrfachbehinderungen in Planschbecken auf Bällen
liegen, andere sich auf ihren Unterschenkeln fortbewegen, einige
Schwerstbehinderte im Bett liegen, zum Beispiel ein Mädchen mit riesigem
Wasserkopf und bewegungsunfähigen Beinchen, aber mit großen, strahlenden
Augen, als ich mich ihm zuwende. Alle sind bewegt nach diesen Erlebnissen.
Im oberen
Stockwerk auf einem breiten Flur erwartet uns eine Aufführung der großen
Heimkinder mit
Sologesang, tatarischem Tanz, Keyboardspiel, Puppenpantomime und
Katzentanz
– alles sehr gekonnt dargeboten. Mit viel Applaus danken wir.
Anschließend werden wir zum Tee mit lecker gefüllten Hefetaschen und Süßigkeiten
gebeten. Wir alle bekommen einen Anstecker vom Haus „Regenbogen“. Auf der
Heimfahrt ist mancher noch in Gedanken an die überaus nette Aufnahme, aber auch
an die erschütternden Eindrücke versunken.
Im Livadiya
angekommen, wartet schon die Mittagsmahlzeit mit vier Gängen auf uns. So
richtigen Hunger haben eigentlich die wenigsten. Doch lecker wie immer ist die
Vorspeise aus Tomaten und Gurken, Borschtsch, Kartoffeln und Rindfleisch, sowie
Hefegebäck. Alle sind wie genudelt. Nach einer kurzen Pause fahren wir wieder
ins Deutsche Haus zur Probe. Brigitte ist zufrieden mit uns. Um 17 Uhr
marschieren wir, mit Instrumenten beladen, in den Fuchsgarten. Die
Lautsprecheranlage wird gerade aufgebaut und ausprobiert, als wir eintreffen.Wir nehmen unsere Plätze auf drei Bänken im Halbkreis
ein und spielen kurz an.
Eigentlich fehlt noch ein Mikrophon für eine optimale Übertragung. Immer mehr Zuschauer finden sich ein.
Alle fürchten Regenschauer, doch glücklicherweise bleibt es während der
gesamten Veranstaltung trocken. Unser Konzert kommt sehr gut an. Es wird auch
vom TNW Staatsfernsehen aufgezeichnet. Sketche, Tänze und Gesangsdarbietungen
aus dem Programm zur 1000-Jahr-Feier runden die Veranstaltung ab. Das Publikum
ist begeistert und applaudiert heftig. Brigitte bekommt einen großen
Hortensienstrauß. Zur Erinnerung wird ein Gruppenfoto mit allen Freunden
aufgenommen. Das große Ereignis löst allgemeine Zufriedenheit bei den Spielern
aus.
Dann treten wir Rückmarsch und –fahrt an. Um 20 Uhr wartet das Abendbrot im
Livadiya mit Champignonbrätlingen, Reis und Rindfleisch, sowie Heferosen zum
Tee. Gusel hat uns nach diesem ereignisreichen Tag zum geselligen Zusammensein
auf dem dritten Flur einen Weißweinkanister gespendet. Alle sind sich einig,
dass die Veranstaltungen im Fuchsgarten eine runde Sache gewesen sind.
Dienstag, den 02. August 2005
Besuch in Marie El
Eigentlich ist
heute ein Tagesausflug mit Badeerlebnis, Sanatoriumsbesuch und Konzert in Marie
El geplant. Doch viele sprechen sich gegen den Badespaß aus. So wird es nur ein
anstrengender Halbtagestrip. Nach dem Frühstück mit Schinken- und
Tomatenvorspeise, Rindfleisch und Nudeln und Heferosen zum Tee steht der Morgen
für die meisten zur freien Verfügung. Horst fährt ohne Frühstück in die
Stadt zu Familie Malikow und erwirkt einen zweiten Termin im Staatlichen
Kinderhaus. Danach marschiert er mit Wasserbehältern zum Fuchsgarten und gießt
die Bäumchen, die bei der großen Trockenheit gefährdet sind. Edith fühlt
sich gesundheitlich nicht in der Lage, an der Konzertreise teilzunehmen. In der
Mittagszeit ist Brigitte schon mit ihr bei der Ärztin gewesen. Wieder einmal
haben sich ihre Russischkenntnisse bewährt. Claudia erklärt sich bereit, zu
Hause zu bleiben, sie zum Arzt zu begleiten und danach zu betreuen, falls
erforderlich.
Um 12 Uhr gibt es
Mittagessen, eingeleitet mit Sardine und Tomate, gefolgt von Nudelsuppe, danach
Reis zum Rindfleisch. Die Muffins zum Tee sind auch sehr beliebt. Um 13 Uhr
fahren wir mit schlecht gefedertem, „beheizten“ Bus singend durch die
ansprechende Landschaft nach Marie El. Wir betreten das Sanatorium durch den
Konzertsaal. Ein Zirkus bereitet seine Vorstellung auf der Bühne vor. In der
großen Durchgangshalle finden wir eine provisorischen Probenraum. Doch da alle
„Klassen“ nach und nach auf ihre Zuschauerplätze geführt werden, haben wir
wenig Zeit, in Ruhe unser Programm durchzuproben. Nach den ersten vier Stücken
geben wir auf, ziehen uns um und überbrücken die Zeit bis zu unserem Auftritt
mit Einblicken in die professionelle Zirkusvorstellung, - allerdings bei
ohrenbetäubender Musikuntermalung. Letzter Programmpunkt ist eine Fakirnummer.
Wird das Publikum, circa vier bis 16 Jahre alt, wechseln? Wird es eine Pause geben? Nichts von
alledem! Bevor Zeit ist, die Scherben von der Bühne zu räumen, müssen wir
unsere Plätze einnehmen und nahtlos aufschließen, bei einer mörderischen
Affenhitze! Das alles sorgt für allerlei Irritationen.
Wir spulen unser Programm herunter, erst demotiviert, doch dann durch die hohe
Aufmerksamkeit und den überraschend kräftigen Applaus doch angespornt. Unsere
Gastgeber streuen ihre Programmpunkte dazwischen, auch die Kasaner Jubiläumstanz-
und Singgruppe (barfuß- in Scherben). Haben wir Perlen vor die Säue geworfen?
- Nein! - Der begeisterte Applaus sagt uns, dass wir den Kindern einen nicht
alltäglichen Nachmittag gestaltet haben und sie dankbar dafür sind. Im
Speisesaal nehmen wir Würstchen und Nudeln, Brot mit Butter und Käse ein.
Der anschließende
Gang zum lieblichen Badesee
mit kleinem Picknick
an dessen Ufer versöhnt etwas.
Wir genießen in bezaubernder Landschaft leckere Lebkuchen und stoßen an mit
Wodka und Rotwein. Jetzt ein Badeerlebnis wäre für manche die Krönung des
Ganzen. Auf dem Weg zum Bus, vorbei an der Wasser speienden
Harfenspielerin, müssen
wir einige Autogramme geben. Singend fahren wir ins Livadiya zurück, aber mit
dem Gefühl, dass dieser Tag mit Einsatz, Durchführung und Ergebnis ganz schön
an die Substanz gegangen ist. Sogar Brigitte ist von diesem Gefühl getragen und
beabsichtigt, das Konzert für den nächsten Tag abzusagen. Kein Widerspruch der
Spieler! Alle ziehen sich nach der Ankunft ermattet auf ihre Zimmer zurück.
Mittwoch, den 03. August 2005
Freier Tag
Nach den
ereignisreichen Tagen mit vielen Begegnungen, Proben, Fahrten, Konzerten und
Terminen fühlt sich so mancher überanstrengt und Brigitte sagt nach Rücksprache
mit den Freunden das offizielle Programm: Konzert im „Kloster Kitschieer“
ab. Uns ist heute, mit anderen Worten, ein freier Tag genehmigt. So fahren wir
in größerer Gruppe – auch Edith geht es wieder besser und sie ist dabei –
mit der Straßenbahn zur Baumannstraße. Bei der einstündigen Fahrt lässt sich
vieles beobachten. Jeden Tag lassen sich Fortschritte bei Bau-, Restaurierungs- und Verschönerungsarbeiten
entlang des Weges feststellen. Es geht voran, aber
der Countdown läuft bis zur 1000-Jahr-Feier Ende August. Ob alle Vorhaben bis
dann verwirklicht sind?
Anziehend für uns alle ist das Kaufhaus Gum. Auch ohne etwas zu kaufen, ist es
sehr beeindruckend und interessant, die fünf Stockwerke zu durchstreifen und
das exklusive Angebot Revue passieren zu lassen. Nicht nur die Geschäftsauslagen
in der Baumannstraße, sondern auch die neoklassizistische Architektur ziehen
unsere Aufmerksamkeit auf sich. Das eingerüstete ehemalige Tatarische Kaufhaus
mit seiner faszinierenden grünen Kuppel ist leider nicht mehr zu betreten. An
der Bronzekutsche von Katharina II. wird ein Gruppenfoto geschossen. Wir treffen
uns an der großen Uhr, nachdem kleine Einkäufe getätigt sind, um im Cafe nahe
dem Deutschen Haus ein kleines Mittagessen einzunehmen. Danach fahren die
meisten von uns heim ins Livadiya, fünfe haben noch Unternehmungsgeist.
Brigitte und Horst führen noch mal zum Fuchsgarten. Die Zedern sehen gesund
aus. Sie bekommen wieder Wasservorräte aus dem versteckten Kanister.
Dann geht es zum Konservatorium, wo Olga mit Norbert im schönen Konzertsaal vierhändig
spielt. In einer Bildergalerie entdecken wir
dann tolle Ansichten vom Kreml und der Baumannstraße. Bei traumhaftem Capuccino
erholen wir uns danach in einem modernen italienischem
Cafe. Erfrischt geht es
weiter zur Barbarakirche, die innen mit ihrer schlichten hellen Schönheit und
außen mit ihrem paradiesischem Blumengarten beeindruckt. Brigitte will uns noch
zum Schluss den Gorkipark zeigen, leider hat er neue Besitzer, die uns nicht
einlassen. Doch es gibt auch einen hinteren Eingang, so dass wir einen Eindruck
von den Blumenrabatten und dem Bewuchs bekommen. Die Plastik vom Kasaner Drachen
können wir auch sehen. Auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle kommen wir am
Kriegsdenkmal mit dem
ewigen Feuer vorbei.
Zum Abendbrot treffen wir uns
alle wieder im Separee bei einer Vorspeise mit Wurst, Rindfleisch und Makrele,
Kartoffelauflauf und Möhren, sowie Heferosetten zum Tee. Dazu gibt es nach
Wunsch etwas vom restlichen Wein. Später sitzen wir noch auf dem vierten Flur
und tauschen Erlebnisse aus.
Donnerstag,
den 04. August
Rückfrage
zur Scheckübergabe
Morgens um 10.30
Uhr haben wir Probe auf der vierten Etage. Auch die „Städter“ haben sich
eingefunden. Alle fühlen sich nach dem freien Tag erfrischt und liefern eine
erfolgreiche Probe. Danach fahren Horst und Brigitte mit Ilfir quer durch die
Stadt zu den Fernsehanstalten. Die zusätzlichen Strapazen, wieder einmal ohne
Mittagessen, haben Erfolg: Unsere Aufzeichnungen sollen gesendet werden! Nach
kurzer Mittagspause fahren wir alle mit der Straßenbahn und treffen uns bei
Malikows. Auch einige unserer Gastgeber sind mit von der Partie. Zusammen fahren
wir zum Büro der Kinderorganisation, die unseren Scheck über 1300 € erhalten
hat. Ursprünglich hatte Horst eine andere Intention gehabt, er wollte auch hier
eher Sachspenden überreichen. Doch alles war nicht so in seinem Sinne gelaufen.
Jetzt sind allgemein Zweifel aufgekommen, ob unsere Geldspende auch wirklich die
Bedürftigen erreicht. Am Ziel angekommen, erwartet uns die Direktorin und
bringt Ordner mit, die sie am langen Tisch herumreicht. Sie sieht sich in der
schwierigen Position, uns von ihrer Integrität und der ihrer Organisation zu überzeugen.
Horst hat Vertrauen, aber er ist nicht sicher, dass sie genügend Einfluss
darauf hat, das Geld direkt an die Kinder zu leiten und nicht für andere Dinge,
wie z. B. Festgestaltung oder Verwaltungsaufgaben zu verwenden. Wir bekommen die
Zusicherung von offizieller Seite, dass unser Geld nur für Kinder in Not
ausgegeben wird. Darüber hinaus erwarten wir in nächster Zeit genauere Angaben
über die getätigte Verwendung. Zwei Spendenbescheinigungen auf Dienstpapier
werden ausgehändigt, denn auch Iwan Rebroff erwartet eine Rückmeldung. Die
schwierige Situation entspannt sich wieder und die Direktorin überreicht
Brigitte als nette Geste eine tatarische Holzkette. Die ganze Aktion hat uns
einen Nachmittag gekostet, aber es musste wohl so sein.
Endlos warten wir
an der Straßenbahnhaltestelle, bis die Linie 5 kommt. So treffen wir am
Abendbrottisch ziemlich spät ein. Brigitte und Horst sind bei Freunden
eingeladen. Doch auch wir lassen es uns noch auf dem vierten Flur bei Wein, Käse
und Brot gut gehen.
Freitag, den 05. August 2005
Exkursion und Konzert in der Stadt Tschystopol
Heute erleben wir
einen weiteren Höhepunkt unserer Besuchs- und Konzertreise. In einen großen
Mercedesbus laden wir um 8.30 Uhr unsere Instrumente und fahren sehr komfortabel
gen Westen durch eine schöne, gepflegte Landschaft nach Tschystopol, was soviel
heißt wie „sauberes Feld“. Vor den Toren der Stadt empfängt uns die Reiseführerin
und gibt uns während einer Rundfahrt interessante Informationen. Als zweitgrößte
Stadt Tatarstans liegt Tschystopol am zweitgrößten Fluss, der Kama, die hier
zum Kamasee aufgestaut ist. Vor 215 Jahren wurde sie gegründet und ganz
systematisch angelegt, mit einem rechtwinkligen Straßennetz, ausgerichtet zur
Karma. Der Fluss hat den späteren Reichtum der Stadt begründet. Getreide,
Fisch, Fleisch und Eier sind ins Ausland verschifft worden. Die großen
Kaufmannshäuser lassen die einstige Blütezeit erahnen. Heute dominieren
Uhrenindustrie, Alkoholproduktion und ein großes Brotwerk. Die Stadt hat zur
Zeit 66.000 Einwohner. Es gibt einen tatarischen und einen russischen Teil, die
an der typischen Bauweise deutlich zu unterscheiden sind. Zuerst fahren wir die
Musikschule an, die von Petersburger Künstlern gegründet und zum Kulturzentrum
ausgebaut ist. Viele Kunstschaffende fanden im zweiten Weltkrieg hier Zuflucht,
wie zum Beispiel Boris Pasternak.
Nach einer
Erfrischung fahren wir durch die Leninstraße, eine Geschäftsstraße mit Gebäuden
des 19. Jahrhunderts. Getreideanbau und -verkauf spielten hier früher eine große
Rolle. Am zentralen Marktplatz können wir die Läden und die dazugehörigen großen
Tore sehen. Es wird vermerkt, dass auch deutsche Kaufleute in der Geschichte der
Stadt eine Rolle gespielt haben. So ist deutsches Bier an den Zarenhof geliefert
worden und deutsche Kaufleute haben Geld gespendet, um die Kirchen zu
restaurieren.
Früher gab es in
Tschystopol sechs Kirchen, heute existieren zwei Kirchen und zwei Moscheen. Wir
halten an der Nikolauskathedrale, einer Kreuzkirche aus dem Jahre 1830. Der
Glockenturm ist ganz zerstört. Während der Sowjetherrschaft hat die Kathedrale
als Gefängnis gedient. Alle Gegenstände mit christlicher Symbolik sind ausgeräumt
worden, nur der Fußboden ist drin geblieben. Die damaligen Christen haben die
Ikonen zur Rettung unversehrt mit nach Hause genommen. Die Reiseleiterin weist
uns auf die Besonderheit des kleinen Grabhauses vor der Kirche hin. Man kann
sich wieder an den liebevoll angelegten Blumenbeeten rund um die Kirche
erfreuen.
Mit dem Bus
fahren wir zu einem Kaufmannshaus, das jetzt Museum ist. Es beeindruckt durch
seine Größe und Weitläufigkeit. Im Parterre sehen wir in den Salons das
ehemalige Mobiliar und Bilder tatarischer Maler, die während der Revolution auf
dem Index standen. Im ersten Stock ist Geschirr und Hausrat zu sehen, im zweiten
Stock Kriegsdokumente und –uniformen, sowie Bilder zeitgenössischer Künstler.
Unsere
Stadtrundfahrt führt zum Schluss in das Boris
Pasternak-Museum. Es ist seit
1990 geöffnet. Ein Jahr und acht Monate hat der Dichter hier gewohnt. Er übersetzte
Romeo und Julia und sammelte Material für Doktor Schiwago. Das Vorbild für die
Titelfigur hat er in Tschystopol gefunden. Land und Leute haben ihn sehr
angesprochen und zu seinem Wohlbefinden beigetragen. Schlaf- und Arbeitszimmer
sind in ihrem ursprünglichen Zustand, sehr ansprechend im Stil ihrer Zeit.
Fotos mit Boris Pasternak komplettieren das Ganze.
Jetzt fahren wir
zum Mittagessen in ein Lokal neben der Musikschule. Über einen ungepflegten
Hinterhof und eine Treppe gelangen wir in ein überraschend gepflegtes und gemütliches
Restaurant. Bei Krautsalat, Bortsch, Zunge mit Kartoffelbrei und anschließendem
Tee tanken wir wieder auf.
Doch es gibt noch
eine Überraschung heute. Ein Boot, ganz für uns allein, wartet am Ufer der
Kama für eine Fahrt auf uns. Ein Obstbuffet sorgt für leckeren Nachtisch. Während
der ganzen Kamafahrt wird genascht und wir unterhalten uns angeregt.
Zwischendurch lassen sich einige Fahrgäste die stürmische Brise um die Nase
wehen.
Auf solche Art
gut erholt, machen wir uns nach einem kurzen Abstecher in ein Kaufhaus fertig fürs
Konzert. Wir sind alle von dem schönen, geschmackvollen Konzertsaal angetan.
Das Klima ist angenehm, den Farbgeruch nehmen wir bald nicht mehr wahr. Nach
einer kurzen Probe kommen schon die ersten Zuhörer. Wer soll mit dem Programm
beginnen? Nach einigem Hin- und Herüberlegen startet die Mandolinengruppe
ein
Superkonzert. Ein Programmpunkt ist die Schiwago-Melodie. Diese in der Boris
Pasternak-Stadt gespielt zu haben, das hat was! Der Funke springt über und bei
all den guten Voraussetzungen können wir unser Bestes geben. Wir ernten viel
Applaus. Den krönenden Abschluss des Konzertes bringen Olga und ihre Folkloregruppe
mit einem Feuerwerk
tatarischer Stücke. Ein Gruppenfoto
hält
das Ereignis fest. Alle sind der einhelligen Meinung: Das letzte Konzert ist das
Beste gewesen!
Doch bevor es auf
die Heimfahrt geht, kehren wir noch einmal in demselben Lokal
wie am Nachmittag
ein. Zum leckeren Mahl mit Geflügelsalat, Gemüse und Wurst als Vorspeise gibt
es überbackenes Fleisch mit Pommes, - diesmal mit Alkohol und wie schon
erwartet, mit Dankesreden und Trinksprüchen. Gut gesättigt, angeregt,
zufrieden und auch schläfrig nach dem langen Tag, fahren wir gut gefedert zur
Unterkunft Livadiya.
Samstag,
den 06. August 2005
Im Museum in Kasan
Langsam neigt sich unsere Reise
ihrem Ende entgegen. Die letzte offizielle Unternehmung steht an. Doch erst
einmal wird gefrühstückt mit Joghurt und gefüllter, überbackener Zucchini.
Der Morgen steht zur freien Verfügung.
Schon um 12 Uhr
nehmen wir das Mittagessen ein und fahren ohne Pause mit der Straßenbahn in die
Stadt. Mit den Freunden treffen wir uns an der Uhr in der Baumannstraße. Von
dort werden wir in das Tukaj-Museum (Tukaj ist ein bedeutender tatarischer
Dichter, er feierte seinen 150. Geburtstag) geführt, ein repräsentatives Gebäude
aus dem 19. Jahrhundert. Es gehörte ehemals einem reichen Kaufmann. Valerij führt
uns nach der Begrüßung vor die Abteilung für Musikinstrumente. Diese
Sonderausstellung hat er selbst anlässlich der 1000-Jahr-Feier eingerichtet.
Aus dem dunklen Raum hören wir überraschend und sehr eindrucksvoll eine
tatarische Flöte spielen, - es ist Rustam
Malikow. Jetzt betreten wir den Museumsraum, wo in geschichtlicher
Abfolge die Instrument hinter 150 m hohen Glaswänden präsentiert sind: Zuerst
verschiedene Ausführungen der Sass aus dem 10. Jahrhundert, Maultrommeln aus
dem 11. Jahrhundert, Rhythmusinstrumente aus dem 19. Jahrhundert und viele
Varianten von Flöten (Tonflöten, Kurai, tatarische Flöten usw.). In Harmonie
mit den Instrumenten sind Wandbilder aufgetragen, z.B. der Dichter Gulgali aus
dem 13. Jahrhundert, der Musikinstrumente seiner Zeit beschrieben hat, ist in
seinem Arbeitszimmer dargestellt.
Ein weiteres Bild zeigt die
Prinzessin Sujumbekie, in die Iwan der Schreckliche verliebt war, aus dem 15.
Jahrhundert. Sie hat viele Musikinstrumente gespielt, auch die tatarische Dombra.
Es ist überliefert: Als Iwan 1552 Kasan erobern wollte, spielten die Kasaner
statt zu kämpfen auf ihren Musikinstrumenten. Wir hören, dass die Region Kasan
kulturell ein slawisch – türkisches Gemisch gewesen ist. Später ist sie
russifiziert worden. Als neue Instrumente treten im 18. Jahrhundert Glocken auf.
Mit der Eröffnung der Kasaner Universität im 19. Jahrhundert kommen auch
westliche Einflüsse zum Tragen. Mitbegründer Karl Fuchs, Ethnologe und Arzt,
spielte selbst Zither und Mandoline. Wir sehen Harfen-, Konzert- und
Akkordzithern sowie alle Varianten der Mandola
und Dombra. Auch Musiktruhen mit
tatarischen Volksmelodien sind ausgestellt.
1907 kommt Tukaj,
der russische Goethe, nach Kasan. Hier lernt er tatarische Kultur und tatarische
Musikinstrumente kennen. In Kasan schreibt er seine wichtigsten Werke, 1913
stirbt er.
Auch die
Akkordeonfamilie
ist ausgestellt. Eine deutsche Harmonika wurde auf einem
russischen Markt von einem Herrn Buschmann gekauft. Man hat daran
herumexperimentiert und sie an die tatarischen Harmonien angepasst. So erklingt
das do bei einer anderen Griffweise. Die Konzertina stammt aus England. Diese
siebenseitigen Gitarren passen zu russischen Melodien. Alle diese ausgestellten
Musikinstrumente hat auch der Dichter Tukaj gesehen und gehört. 1910 gründete
sich das tatarische Rodnik-Orchester der Volksmusikinstrumente, das auf
zahlreichen Postern und Fotos zu sehen ist. Wir bedanken uns
bei Valerij für seine informative Führung, ein Foto in der Musikausstellung hält
das Ereignis fest.
Hierauf werden
wir überraschend zur Teetafel in den Konzertsaal gebeten. Wir stärken uns bei
Tschaktschak, gefülltem Hefegebäck, Süßigkeiten und Äpfeln. Malikows
musizieren, Juri singt ein Liebeslied von Schaljapin und der Museumsdirektor trägt
aus seinem neuen Gedichtband vor.
Nach dieser
stilvollen Teestunde sehen wir uns in der Tukej-Ausstellung im 1. Stock um. Das
Material ist originell und sehr anschaulich präsentiert und beeindruckt, auch
wenn wir nicht die russischen Erklärungen lesen können.
Bald
verabschieden wir uns, heute trennen sich unsere Wege. Einige sind in Familien
eingeladen, andere wollen japanisch essen und für alle, die nicht in Familien
eingeladen worden sind, hat Horst als Highlight einen Besuch im Staatszirkus
organisiert. Olga mit Tochter Anna begleitet die Gruppe dorthin. Es wäre unmöglich
gewesen, durch das Verkehrgewirr alleine dort pünktlich anzukommen. Das
Zirkusgebäude ist fest installiert. Im Vorraum gibt es viele Arten von
Kinderbelustigung, wie zum Beispiel Autos und Eisenbahnen zum Draufsetzen. Wir
haben unsere Plätze in der ersten Reihe
und können so aus nächster Nähe das
Feuerwerk an Programmpunkten genießen, das die Kasaner und Moskauer
Jugendartisten darbieten. Besonders spektakulär ist die Seilspringnummer.
Begeistert von der Vorführung – sogar einen Affen haben einige auf dem Schoß
sitzen – begeben wir uns im Kleinbus auf den Heimweg. Im Livadiya wartet das
Abendbrot in kleiner Runde auf uns. Um 21.30 Uhr treffen wir uns zum Resteessen
und –trinken sowie Austauschen von Erlebnissen auf dem vierten Flur.
Sonntag, den 07.August 2005
Abschied von den Freunden
Unser letzter Tag
in Kasan! Zum Frühstück gibt es als Vorspeise Sardinen und Mais. Zum letzten
Mal können wir morgens als warme Mahlzeit Kartoffeln und Rindfleisch essen!
Gestärkt stellt sich darauf jeder sein Wunschprogramm für den Morgen zusammen.
Einige fahren mit der Straßenbahn in die Stadt, andere gehen ins
Livadiya-Kaufhaus, um die letzten Rubel auszugeben. Zum Mittagessen finden wir
uns alle wieder ein bei überbackenem Kraut als Vorspeise, Kartoffeln zum
Rindfleisch und Hefesternen zum Tee.
Nach der
Mittagspause treffen wir uns über dem Restaurant im Clubraum zum „Abschied mit
Freunden“. Alle bekannten
Gesichter der letzten zwölf Tage finden sich ein. Unsere russischen Freunde
decken die Tische mit Getränken, sowie Obst- und Gebäcktellern überreich. In
den begeisterten Reden wird der vielen gemeinsamen Unternehmungen, Konzerte und
Erlebnisse gedacht. Es wird Dank gesagt für Mühe, Arbeit und beherzten Einsatz
aller, doch vor allem der Organisatoren auf beiden Seiten. Es werden Toasts
ausgebracht und Geschenke getauscht. Ein Gruppenfoto
vor dem Restaurant in der
Sonne und ein Abschiedslied von Juri beschließen die Feier. Dann erfolgt das
allgemeine Abschiednehmen.
Das letzte Abendessen erscheint vielen heute besonders gelungen. Es gibt einen
Vorspeisenteller mit Rohkost, überbackenen Auberginen, Tintenfisch und
Eierstich, dann Gurkensuppe, gefolgt von Kasha mit Rindfleisch, zuletzt
Rosinenhefestückchen zum Tee. Alle sind hinterher wie genudelt.
Das Packen geht
danach trotzdem gut von der Hand. Sodann treffen wir uns noch auf dem dritten
Flur zu kurzem Schlummertrunk, denn die Nacht ist für uns ganz kurz.
Montag, den 08. August 2005
Rückfahrt
Um 2.45 Uhr wird
geweckt. Alles geht ohne Hektik. Der große Bus bringt uns und unser Gepäck zum
Flughafen. Wir haben Glück, der neue Terminal ist fertig! Die ganze Abfertigung
ist wesentlich kürzer und angenehmer als auf der Herreise. Nur wegen der
Instrumente gibt es schwierige Verhandlungen. Norbert ist enttäuscht, dass sein
Akkordeon nicht im Fluggastraum transportiert werden darf. Uns bleibt viel Zeit
im Warteraum, Olga verwöhnt uns mit Kaffee, Milch und Pralinen und ersetzt
schon mal das Frühstück. Ein letzter Abschied von Olga und Alexander.
Als wir im
Flugzeug sitzen und alles gut verstaut ist, sind wir erleichtert und zufrieden.
Kurz nach 7.30 Uhr starten wir. Auf der kurzen Flugstrecke nach Samaria gibt es
noch ein Frühstück mit Körnerbrötchen und Orangensaft. Nach 30 Minuten
Auftanken geht es weiter nach Frankfurt, wo wir nach gutem Flug sicher landen.
Auch das Gepäck erhalten wir problemlos und Norbert stellt fest, dass die neue
Regelung mit dem Akkordeon mehr Bequemlichkeit für ihn bedeutet hat. Mitsue ist
schnell verschwunden, die anderen steigen in unseren Bus, der uns sicher nach
Nordhessen bringt. Unterwegs ergreift Horst noch einmal das Wort, spricht über
die gelungene, harmonische Reise, das gute Zusammenwirken aller und dankt der
musikalischen Leiterin für ihr Engagement und Brigitte dankt Horst. Damit ist
uns wohl allen aus der Seele gesprochen. Bei Stauffenberg verabschieden wir uns
von Otto, Elfriede und Claudia. Nach dem letzten Wegestück nach Wasenberg sagt
auch der Rest der Reisegenossen ade und versichert sich gegenseitig, dass es
eine schöne, erlebnisreiche und sehr eindrucksvolle Reise gewesen ist, - nach
Kasan zu unseren Musikfreunden.
Heidemarie Lohrengel
Herbert Steinmetz
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